Thailand: gestylte Reisende, deutsche Sprache überall und Abzockversuche – ich würde ja weiterreisen, aber meine Eltern kommen mich besuchen.

Nicht nur, dass hier mega mega viele Touristen sind, die Art der Touristen belustigen mich im ersten Moment, im zweiten nervt sie mich. So viel Engstirnigkeit habe ich lange nicht mehr erlebt. Ich habe den Eindruck, viele Reisende verlieren den Respekt vor einer anderen Kultur, je mehr Landsleute sie um sich haben. Vielleicht sind die Thais deshalb einfach genauso genervt. Ich erlebe das Volk jedenfalls nicht als das immerlachende, die Touristen haben den Thais etwas genommen – ihr Lächeln.

 

Kein Traumreiseziel

Thailand war nicht auf meiner persönlichen Wunschliste. Vor Reisestart war einer der wenigen geplanten Stopps trotzdem genau dieses Land. Meine Eltern wollten mich besuchen, weniger abenteuerlustig als ich, war ihnen genau das Gegenteil von meinen Länderideen lieb. Unbekanntes wird mit Gefahr und Unsicherheit assoziiert. Thailand als derzeitiges Trendreiseland, gibt ihnen Sicherheit. Somit beugte ich mich, Urlaub in Thailand, na das werde ich doch wohl aushalten, zudem geht es mir ja hauptsächlich um das Wiedersehen. Und die Gründe für den Thailandhype interessierten mich dann doch auch ein bisschen.

Mir war bewusst, dass der Kontinentenwechsel wieder Herausforderungen mit sich bringt. Meine bisherige Reisegestaltung und Thailand mit den Eltern, da ist ein riesengroßer Unterschied. Und dazu noch die letzten zwei Monate in Tansania, die sowieso ein ganz eigenes Kapitel sind, mit nichts von vorher zu vergleichen.

Aber gleich danach ab ins Touriland wo Reisende im Saus und Braus das Leben genießen.. Was hab ich mir denn da bloß gedacht?

Ich kam aus dem Slum in Daressalaam/ Tansania und landete in Bangkok, der modernen Metropole Thailands. Absolut fehl am Platz, das war mein Gefühl. Meine Eltern kamen eine Woche später an, mit diesem Vorsprung wollte ich mir Zeit zum Gedankenordnen geben. Mein Glück, dass ich das richtige Hostel gewählt hab, eines außerhalb der Tourizone, mit tollem Garten, eine wahre Rückzugsoase von dem Trubel der Stadt. Nicht nur die Stadt war für mich irritierend. Thailand ist wohl eines der meistbesuchten Backpackerländer. Was mir fehlte, war die Diversität unter den Backpackern. Viele Reisende, aber trotzdem ungefähr alle vom selben Schlag. Irgendwie fiel ich da mit meiner Reiseart etwas aus der Reihe, saß dazu ungeschminkt beim Frühstück, hatte keinen Weiterflug nach Bali und – ich war nicht aus Deutschland oder den USA.

Ich bemerkte ziemlich schnell, dass ich keine Woche in Bangkok aushalte. Um Mitternacht wurde mit einer anderen Reisenden beschlossen, ein paar Tage auf eine Insel zu entfliehen, am nächsten Tag saßen wir im Bus Richtung Koh Samet. Gleichgesinnte findet man überall.

 

Mama, Papa und der Ernst des Lebens

Zeitgerecht war ich in Bangkok zurück um meine Eltern zu empfangen, dann gabs mal feste Umarmungen beim wiedersehen.

Meine Eltern reisten nicht alleine an, mit ihnen kamen viele viele Gedanken an zuhause. Keinerlei Heimweh, aber das Gefühl, für meine Rückkehr Pläne schmieden zu müssen. Wo will ich arbeiten, wo will ich wohnen etc.

Das kam mir wie der völlige Irrsinn vor, lebte ich doch die letzten 7 Monate sorgenfrei dahin. Ich griff mir nicht nur einmal am Kopf, als könnte ich so das Grübeln verjagen. Mein Mantra: lass es auf dich zukommen. Das fällt mir normalerweise ja nicht schwer, funktionierte nun aber nicht so ganz. Ich bin also angelangt, an dem Punkt, wo sich der Weltreisende mit philosophischen Fragen beschäftigt. Was bedeutet Glück für mich? Was tue ich um meinetwillen, was wegen dem gesellschaftlichen Rahmen?

Das gemeinsame Reisen war kein zuckerschlecken. Ist so ein Familienurlaub unter normalen Umständen schon nicht einfach, war es nun nochmal eine Stufe schwieriger, nach all den vergangen Monaten ohne sich zu sehen. Obwohl die Freude des Wiedersehens groß war, war das plötzlich ständige Zusammenleben eine wahre Herausforderung. Und das Tourguide sein genauso. Und obwohl der Ablauf des Urlaubs für mich Routine war (Bus als Haupttransportmittel, die Unterkünfte erst vor Ort Schritt für Schritt weiterbuchen, bei Straßenküchen essen..), für meine Eltern war es sicherlich ein Abenteuer. Und ich genoss es, viele meiner Reisegeschichten loszuwerden. Wir reisten 2 Wochen herum, die letzte verbrachten wir auf der Insel Koh Chang.

 

Wieder alleine, wieder frei

Nun, nachdem meine Eltern abgereist sind, fühle ich ein erneutes Freiheitsgefühl. Ich bin wieder solo unterwegs, brauche keine Rücksicht zu nehmen und muss mich nicht um andere kümmern. Mein Freiheitsgefühl kommt aber auch daher, dass ich einfach so viele Erlebnisse losgeworden bin. Ich konnte quasi 3 Wochen durchgehend erzählen. Was der Konzentrationsfähigkeit meiner Eltern einiges abverlangte.

Mein Aufenthalt hier, hat meine Einschätzung bestärkt, Thailand ist nicht mein Reiseland. So schöne Plätze es auch zu bieten hat, ich mag sie nicht mit zig Touristen teilen. So viele Abzockversuche und Lustlosigkeit habe ich bisher auch noch in keinem Land erlebt und dass ich dadurch jedem Einheimischen zuerst kritisch entgegensehe tut mir leid. Aber das Essen ist mega gut! Und es gibt endlich wieder genug Gemüse, ein Traum!

Um nicht überstürzt aus Südostasien zu verschwinden habe ich mich entschieden nach Kambodscha weiterzureisen. Ich hoffe hier auf etwas weniger Touristen anzutreffen. Dann geht es für mich endlich in den Mittleren Osten! Ein Idee, auf die ich schon lange warte umzusetzen! Den Flug in den Iran hab ich heute gebucht!  …Nun muss das mit dem Visum on arrival noch klappen.. Aber vorerst konzentriere ich mich mal auf Kambodscha.

Und an alle, die von den Fotos her irritiert sind. Ja, ich habe auch Strände gesehen, war aber davon nicht so angetan. Generell war ich bei meinem Aufenthalt eher Fotofaul. Aber ein paar interessante sind ja doch dabei.

 

Alles Liebe

Claudia